Gedanken kommen selten einzeln. Oft tauchen sie gebündelt auf, springen zwischen Themen und das Grübeln lässt sich nur schwer stoppen.

Unser Gehirn versucht ständig, offene Themen präsent zu halten. Unerledigte Aufgaben, Sorgen oder Entscheidungen bleiben im Fokus, damit sie nicht vergessen werden. Dieses Prinzip kann im Alltag hilfreich sein, führt jedoch schnell zu mentaler Überlastung.

Braindumping bietet eine Möglichkeit, diese offenen Schleifen zu unterbrechen, indem du Gedanken auslagerst, statt sie aktiv im Kopf zu behalten.

Die Methode hilft dir dabei, alles, was dir gerade durch den Kopf geht, ungefiltert aufzuschreiben. Ohne Struktur, ohne Anspruch auf Sinn oder Ordnung. Ziel ist nicht, Lösungen zu finden oder Probleme zu analysieren, sondern den Kopf zu entlasten.

Beim Braindumping dürfen Gedanken das innere System verlassen, statt weiter darin zu kreisen. Schreiben schafft Distanz. Was vorher diffus war, wird sichtbar und greifbar.

Braindumping als Ausweg aus der Gedankenspirale - Andrea Däberitz

Was ist Braindumping?

Braindumping bedeutet, dass du alles aufschreibst, was dir gerade durch den Kopf geht. Ungefiltert und ohne Struktur. Du versuchst dabei nicht, Probleme zu lösen oder etwas zu verstehen. Stattdessen gibst du deinem Gehirn die Möglichkeit, Gedanken nach außen zu verlagern.

Viele spüren schon nach wenigen Minuten eine erste Entlastung. Nicht, weil sich alles geklärt hat, sondern weil dein Kopf die Informationen nicht mehr gleichzeitig festhalten muss. Offene Aufgaben, Sorgen oder Ideen stehen nun auf dem Papier und bleiben nicht mehr aktiv im Arbeitsgedächtnis.

Exkurs: Das Arbeitsgedächtnis

Das Arbeitsgedächtnis ist der Teil unseres Gedächtnisses, der Informationen kurzfristig speichert und verarbeitet. Es hilft uns zum Beispiel beim Planen, Entscheiden oder Problemlösen.

Die sogenannte Cognitive Load beschreibt dabei die mentale Belastung, die entsteht, wenn zu viele Informationen gleichzeitig verarbeitet werden müssen. Da die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses begrenzt ist, kann eine hohe kognitive Last schnell zu Überforderung, Unruhe oder Konzentrationsproblemen führen.

Durch das Aufschreiben beim Braindumping werden diese Inhalte nach außen verlagert. Die kognitive Belastung sinkt, weil dein Gehirn die Gedanken nicht mehr aktiv festhalten und verarbeiten muss.

Woher kommt die Braindumping Methode?

Braindumping wurde nicht von einer einzelnen Person erfunden. Die Methode basiert auf Erkenntnissen aus der Kognitionspsychologie.

Ein bekanntes Beispiel ist das Zeigarnik Prinzip. Es beschreibt, dass unser Gehirn unerledigte Aufgaben oder offene Themen besonders gut im Gedächtnis behält. Das kann hilfreich sein. Wenn sich jedoch zu viele offene Punkte ansammeln, entsteht schnell Stress.

Bekannt wurde der Ansatz auch durch Selbstmanagement Methoden wie Getting Things Done von David Allen. Dort wird empfohlen, Gedanken regelmäßig aus dem Kopf in ein externes System zu übertragen, um mentale Kapazität freizumachen.

Braindumping nutzt ein ähnliches Prinzip. Im ersten Schritt verzichtest du jedoch bewusst auf Struktur oder Auswertung. Es geht nur darum, den Kopf zu entlasten.

Wie kommt der Begriff zustande?

Der Begriff Dumping kommt aus dem Englischen und bedeutet abladen oder ausschütten.

Allgemein beschreibt Dumping das schnelle Abgeben von etwas, das sich angesammelt hat. In der Wirtschaft spricht man zum Beispiel von Preisdumping, wenn Produkte sehr günstig verkauft werden, um Lager zu leeren.

Beim Braindumping geht es nicht um Preise, sondern um Gedanken. Du lädst alles ab, was sich im Kopf angesammelt hat. Ohne zu sortieren, zu bewerten oder zu verändern.

Der Fokus liegt auf dem Entleeren. Gedanken werden aus dem Kopf ausgelagert und müssen nicht länger aktiv festgehalten werden.

Braindumping als Ausweg aus der Gedankenspirale - Andrea Däberitz

Braindumping vs. Journaling

Beim Journaling steht meist die strukturierte Reflexion im Vordergrund. Gedanken werden eingeordnet, bewertet oder verarbeitet.

Braindumping verfolgt ein anderes Ziel. Es dient dazu, mentale Inhalte zunächst ungefiltert loszuwerden. Gerade bei akuten Gedankenspiralen oder emotionaler Überforderung kann es hilfreich sein, erst Raum zu schaffen, bevor du versuchst, Ordnung herzustellen.

💡 Tipp: Wenn du nach dem Braindumping deine Gedanken sortieren und besser verstehen möchtest, kann strukturierte Reflexion der nächste Schritt sein. In meinem Journaling Ratgeber zeige ich dir, wie du deine Notizen gezielt nutzt, um Klarheit zu gewinnen und Entscheidungen leichter zu treffen.

So funktioniert Braindumping in der Praxis

Braindumping ist am effektivsten, wenn du es bewusst kurz hältst und dir erlaubst, wirklich alles aufzuschreiben. Es geht nicht um schöne Sätze, nicht um Logik und nicht um ein Ergebnis. Es geht darum, deinen Kopf zu entlasten.

Schritt für Schritt Anleitung

Wähle dein Medium

Nimm dir ein Blatt Papier oder öffne eine leere Notiz auf deinem Gerät. Suche dir für ein paar Minuten einen möglichst ruhigen Ort und stelle einen Timer auf fünf bis zehn Minuten. So weißt du, dass die Übung zeitlich begrenzt ist und du nichts ausarbeiten musst.

Schreiben ohne Filter

Beginne dann zu schreiben. Alles, was dir durch den Kopf geht, darf aufs Papier. Gedanken, To dos, Sorgen, Ideen oder auch einzelne Wörter. Es muss keinen Sinn ergeben und nichts zusammenpassen. Wenn dir nichts einfällt, starte mit einem einfachen Satz wie „Gerade denke ich an …“.

Nicht korrigieren oder sortieren

Während des Schreibens solltest du nicht stoppen, um etwas zu korrigieren oder zu ordnen. Schreibe so, wie es in dir auftaucht, auch wenn sich Inhalte wiederholen oder unfertig wirken. Ziel ist es, Gedanken auszulagern, nicht sie zu verbessern.

Nach der Übung

Wenn der Timer klingelt, hör auf zu schreiben und lies den Text nicht direkt danach durch. Lege die Notizen kurz zur Seite, damit du nicht sofort wieder ins Analysieren rutschst. So kann dein Kopf die ausgelagerten Gedanken erst einmal loslassen, bevor du dich später damit beschäftigst.

Typische Hürden beim Einstieg

Gerade am Anfang haben viele das Gefühl, nicht zu wissen, was sie überhaupt aufschreiben sollen. Der Kopf wirkt plötzlich leer oder blockiert. Häufig meldet sich auch der Anspruch, etwas Sinnvolles oder gut Formuliertes zu schreiben.

Beim Braindumping geht es jedoch nicht um Struktur oder sprachliche Qualität. Jeder Gedanke darf Platz finden, auch wenn er unklar, widersprüchlich oder unvollständig ist. Selbst Sätze wie „Ich weiß gerade nicht, was ich schreiben soll“ können helfen, den Einstieg zu erleichtern und den Schreibfluss in Gang zu bringen.

Braindumping als Ausweg aus der Gedankenspirale - Andrea Däberitz

Wann Braindumping besonders hilfreich ist

Braindumping eignet sich vor allem in Momenten, in denen dein Kopf schwer zur Ruhe kommt oder sich viele Gedanken gleichzeitig aufdrängen.

Vor dem Schlafengehen kann die Methode helfen, den Tag mental abzuschließen. Offene Aufgaben, Sorgen oder Ideen müssen nicht länger aktiv festgehalten werden und stehen stattdessen auf dem Papier. Das kann es leichter machen, abzuschalten und einzuschlafen.

Auch bei Entscheidungsstress kann Braindumping sinnvoll sein. Wenn zu viele Optionen, Argumente oder mögliche Konsequenzen gleichzeitig im Kopf kreisen, entsteht schnell Überforderung. Das Aufschreiben schafft Abstand und kann dabei helfen, wieder klarer zu denken.

In Phasen hoher Belastung sammelt sich oft eine große Menge an To dos, Erwartungen oder inneren Konflikten an. Braindumping bietet hier eine einfache Möglichkeit, diesen mentalen Druck kurzfristig zu reduzieren, indem du alles festhältst, was dich gerade beschäftigt.

Grenzen von Braindumping

Braindumping kann dabei helfen, Gedanken kurzfristig zu entlasten und innere Unruhe zu reduzieren. Es ersetzt jedoch keine tiefergehende Auseinandersetzung mit belastenden Themen.

Wenn sich Gedankenspiralen über längere Zeit wiederholen oder emotionale Belastung bestehen bleibt, reicht das reine Aufschreiben oft nicht aus. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, zusätzlich mit strukturierter Reflexion oder gezielter Unterstützung zu arbeiten. Vor allem dann, wenn bestimmte Sorgen, Ängste oder Entscheidungskonflikte immer wieder auftauchen und sich nicht von selbst lösen.

Braindumping kann ein erster Schritt sein, um Klarheit zu schaffen. Für nachhaltige Veränderung braucht es jedoch manchmal einen begleiteten Prozess, in dem du deine Gedanken einordnen, Muster erkennen und neue Strategien entwickeln kannst.

👉 Wenn du merkst, dass dich bestimmte Themen dauerhaft beschäftigen oder blockieren, kann ein Coaching dich dabei unterstützen, mehr Orientierung und Handlungsspielraum im Alltag zu gewinnen. Vereinbare jetzt ein Kostenfreies Vorgespräch mit mir!

Fazit: Braindumping um Gedanken zu beruhigen.

Durch das ungefilterte Aufschreiben deiner Gedanken entlastest du dein Arbeitsgedächtnis und schaffst Abstand zu inneren Prozessen.

Die Methode hilft dir nicht dabei, Probleme direkt zu lösen, kann jedoch den ersten Schritt ermöglichen. Wenn dein Kopf zur Ruhe kommt, fällt es oft leichter, Entscheidungen zu treffen oder strukturiert weiterzuarbeiten.

Besonders in stressreichen Phasen kann Braindumping dabei unterstützen, Klarheit zu gewinnen und gedankliche Schleifen zu unterbrechen. Als Einstieg vor einer tiefergehenden Reflexion oder Planung lässt sich die Methode flexibel in den Alltag integrieren.