Kommt dir das bekannt vor? Mit diesem Gefühl bist du nicht allein. Das Impostor-Phänomen betrifft häufig gerade die Menschen, die besonders gewissenhaft, reflektiert und leistungsfähig sind.
Spannend dabei: Während manche trotz klarer Erfolge an sich zweifeln, neigen andere dazu, ihre Fähigkeiten deutlich zu überschätzen. Man spricht vom Dunning Kruger Effekt.
In diesem Beitrag erfährst du, was hinter dem Impostor Syndrom steckt und wie es sich vom Dunning Kruger Effekt unterscheidet.
Typische Gedanken und Verhaltensmuster
Menschen mit Impostor-Gefühlen neigen dazu, eigene Leistungen abzuwerten oder äußeren Umständen zuzuschreiben. Statt Kompetenz zu sehen, führen sie Erfolge etwa auf Zufall, günstige Rahmenbedingungen oder erfüllte Mindestanforderungen zurück.
Oft entsteht daraus ein ausgeprägter Anspruch an die eigene Arbeit. Aufgaben werden sehr intensiv vorbereitet, mehrfach geprüft oder erst abgegeben, wenn sie als nahezu fehlerfrei gelten. Gleichzeitig erhalten kleine Unstimmigkeiten mehr Aufmerksamkeit als positive Rückmeldungen oder gelungene Ergebnisse.
Diese Selbstbewertung bleibt meist nicht auf einzelne Situationen beschränkt. Nicht selten entwickelt sich daraus eine gedankliche Spirale, in der vergangene Entscheidungen analysiert oder mögliche Reaktionen anderer vorweggenommen werden. In der Psychologie beschreibt man dieses Muster als repetitives negatives Denken.
Im Alltag wird dieses Phänomen häufig als Overthinking bezeichnet. Mehr dazu erfährst du in meinem Artikel: Overthinking – Wenn Gedanken nicht mehr zur Ruhe kommen.
Wer ist vom Impostor Syndrom betroffen?
Selbstzweifel treten besonders häufig bei Menschen auf, die eigenständig arbeiten oder in ihrem Beruf viel Verantwortung tragen. Dazu zählen etwa Selbstständige, Fachkräfte oder Personen in leitenden Rollen. Wer komplexe Entscheidungen trifft, erhält oft keine direkte Rückmeldung von außen. Einschätzungen entstehen ohne unmittelbare Bestätigung, was dazu führen kann, dass die eigene Leistung immer wieder innerlich infrage gestellt wird.
Warum besonders kompetente Menschen zweifeln
Auffällig ist, dass gerade erfahrene und reflektierte Menschen betroffen sind. Wer über viel Wissen verfügt, erkennt auch schneller die eigenen Grenzen oder offenen Fragen. Dieses Bewusstsein kann Unsicherheit verstärken, obwohl objektiv fundierte Entscheidungen getroffen wurden.
Häufige Auslöser im beruflichen Kontext
Bestimmte Situationen können Selbstzweifel verstärken. Dazu zählen:
- neue berufliche Rollen
- mehr Verantwortung
- ein Wechsel des Arbeitsumfelds
- der Vergleich mit erfahrenen Kolleg:innen
Gerade bei neuen Herausforderungen entsteht schnell das Gefühl, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein.

Das Gegenteil: Der Dunning Kruger Effekt
Der Dunning Kruger Effekt beschreibt ein bestimmtes Denkmuster. Menschen, die in einem Bereich noch wenig können, halten sich oft für besser als sie sind. Ihnen fehlt die Erfahrung, um ihre eigene Leistung richtig einzuschätzen.
Dadurch entsteht ein überhöhtes Selbstvertrauen, das nicht auf tatsächlichem Können basiert.
Der Name geht auf eine Studie von Justin Kruger und David Dunning aus dem Jahr 1999 zurück. Hier schätzten Teilnehmende ihre Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen selbst ein, unter anderem auch beim logischen Denken. In späteren Untersuchungen wurde dieses Prinzip auf das Autofahren übertragen.
Dabei zeigte sich ein klares Muster: Personen, die im Fahrtest am schlechtesten abschnitten, bewerteten ihre eigenen Fahrkünste deutlich besser als es ihre tatsächliche Leistung zeigte. Viele von ihnen hielten sich sogar für überdurchschnittlich gute Fahrerinnen und Fahrer.

Impostor Syndrom vs. Dunning Kruger Effekt
Während beim Impostor Syndrom kompetente Menschen an sich zweifeln, zeigt sich beim Dunning Kruger Effekt das Gegenteil. Hier gehen geringe Fähigkeiten mit starker Selbstüberschätzung einher.
Der Grund dafür ist einfach: Wer wenig Übung oder Wissen hat, erkennt eigene Fehler oft gar nicht. Deshalb fällt es schwer, die eigene Leistung realistisch einzuschätzen. Wer dagegen mehr Erfahrung hat, sieht auch die eigenen Schwächen und bewertet sich meist kritischer.
Beide Phänomene verdeutlichen, wie schwer eine objektive Selbsteinschätzung fallen kann.Warum Selbstzweifel kein Zeichen von Inkompetenz sind
Fazit: Ein gesunder Umgang mit Unsicherheit ist wichtig!
Unsicherheit ist ein natürlicher Teil von persönlicher und beruflicher Entwicklung. Neue Aufgaben, ungewohnte Situationen oder steigende Verantwortung bringen fast immer ein gewisses Maß an Zweifel mit sich.
Wenn es gelingt, diese Zweifel nicht als Schwäche zu bewerten, sondern als Anstoß für Weiterentwicklung zu nutzen, können sie zu einem wichtigen Lernmotor werden. Ein reflektierter Umgang mit Unsicherheit unterstützt dabei, Vertrauen in die eigene Kompetenz aufzubauen und Entscheidungen mit mehr Klarheit zu treffen.
